Kälbertransporte

Kälbertransporte - was sie bedeuten und warum sie rechtswidrig sind.

Kälber, gerade 2 bis 4 Wochen alt, hilflos, erbärmlich schreiend nach ihren Müttern - sie werden in großen Transportfahrzeugen nach Spanien gefahren, um dort gemästet und dann weiter „vermarktet" zu werden. Unser krankes Agrarsystem hat Bauern in diese Sackgasse geführt - mit entsetzlichen Missständen und Leiden für die Tiere.

Die Kälber haben Angst, Hunger und Durst. Obwohl die Transportfahrzeuge für diese Kälber-Säuglinge nicht mit den erforderlichen Trinkvorrichtungen ausgestattet sind, werden die Tiere transportiert.

Tier-Exportunternehmen haben im Eilverfahren gegen das Landratsamt Ravensburg (Veterinärbehörde) durchgesetzt, dass die Kälber trotzdem transportiert werden - laut Beschluss des Verwaltungsgerichts Sigmaringen vom 09.12.2019 finden die Kälber-Transporte daher seitdem ungehindert statt.

Das Leiden der Tiere wird - von allen Beteiligten - in Kauf genommen, bestehende Rechtsvorschriften werden nicht eingehalten bzw. gebeugt.

 

Warum Kälbertransporte rechtswidrig sind

 

Ein Kälbertransport, der sich nicht an die Vorgaben der EU-Tiertransportver-ordnung hält, ist rechtswidrig und darf nicht genehmigt werden. Folgende Vorgaben macht die Verordnung:

 

Ein Kälbertransport darf grundsätzlich die höchstzulässige Beförderungsdauer von 19 Stunden nicht übersteigen. Das verlangt die EU-Tiertransportverordnung. In der Praxis ist das aber meist der Fall. Denn eine Pause muss zur Fütterung der Kälber (mit einem Milchaustauscher) eingelegt werden. Die Kälber können nicht auf dem LKW gefüttert werden, denn LKW mit der technischen Ausstattung, die eine Fütterung mit Milchaustauscher vorsehen, gibt es aktuell nicht. Daher müssen die Kälber abgeladen und aus Eimern mit Saugstutzen gefüttert werden.

 

Für eine Versorgung von 200 Kälbern mit Milch oder Milchaustauscher aus Eimern mit verformbaren Saugern und mit Abladen und späterem Wiederaufladen in der Pause wäre folgende Zeitplanung erforderlich:

 

  • Abladen der Kälber: mind. 30 Min.;

  • Tränken der 200 Kälber aus den Eimern mit verformbaren Saugern bis zur Sättigung aller Tiere: ca. 2 Stunden, wenn dafür vier bis fünf Betreuungspersonen zur Verfügung stehen (ein Tränken der Kälber darf auch nicht einfach so aus dem Eimer erfolgen, sondern muss über einen Sauger erfolgen, damit bei dem Kalb der notwendige Schlundrinnenreflex ausgelöst wird);

  • anschließende Ruhepause für die Kälber zur Labgerinnung: mind. ca. 2 Stunden (die Nicht-Einhaltung dieser Ruhepause bildet einen Verstoß gegen den Grundsatz aus Art. 3 Satz 1 der EU-TTVO, weil durch eine fehlende oder unzureichende Labgerinnung bei den Kälbern vermeidbare Leiden, insbesondere durch Verdauungsstörungen und starken Durchfall, entstehen können);

  • Wiederaufladen der Kälber: 1 Stunde;

 

Außerdem gibt es in der Praxis keine LKW, über die die Kälber gefüttert werden können wie z. B. adulte Tiere, die aus dem LKW-Tränksystem trinken können:

 

Fehlen eines im Innern des Transportfahrzeuges installierten Versorgungssystems, das aus einem mit Milch oder Milchaustauscher gefüllten Tank, aus Rohrleitungen und aus Zitzen in Kopfhöhe der Kälber, die das Kalb ins Maul nehmen und an denen es saugen kann, besteht. Im Licht von Anhang I Kapitel VI Nr. 1.4 i. V. mit Art. 3 Satz 2 Buchstaben a und h ist es erforderlich, die Vorgaben in Anhang I Kapitel VI Nr. 2.2 für die Wasserversorgung bei nicht abgesetzten Kälbern – entgegen der Ansicht des Verwaltungsgerichts Sigmaringen – auf die Versorgung mit erwärmter Milch, Milchaustauscher oder ggf. Elektrolytlösung anzuwenden. Diese Auslegung von Anhang I Kapitel VI Nr. 2.2 der EU-TTVO ergibt sich daraus, dass bei nicht abgesetzten Kälbern keine Unterscheidung zwischen Tränkung und Fütterung möglich ist. Sie wird deshalb auch von der EU-Kommission und der deutschen Bundeslandwirtschafts-ministerin vertreten.

 

 Das Verwaltungsericht in Sigmaringen missachtet 

Artikel 3 der EU-Tierschutztransport-verordnung:

 

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Verwaltungsgericht Sigmaringen Kälbertra
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"Die Milchindustrie ist vielleicht sogar die brutalste Tierindustrie überhaupt. Sie ist ausbeuterisch, es gibt dort, was die Opferzahlen angeht, wahrscheinlich sogar mehr Leiden, als in der Fleischindustrie."

Melanie Joy